Dies ist ein Tagebuch über die Entwicklung unseres ersten kleinen Miniriffs. Hiermit begann dann auch unsere Leidenschaft zur Meerwasseraquaristik.
Durch die gebogene Frontscheibe erscheint der Riffaufbau, der aus gut 7,5 kg lebenden Steinen besteht, viel größer. Der Filterkasten wurde mit totem Riffgestein beklebt, und so wirkt er wie ein kleiner Riffpfeiler.
Im Filterkasten selbst befinden sich ein Sander Piccolo Abschäumer, die Heizung, ein Dichtemesser, eine kleine Filterpumpe und zwei Körbe für die Filtermedien.
Die Beleuchtung, in die Abdeckung mit integriert, besteht aus zwei T5 Röhren 10.000 K/ 8W und einer T5 Röhre CoralBlue mit Arcadia Vorschaltgeräten
Um die 50l Meerwasser mit genügend Strömung zu versorgen, ist eine Eheim compact 1000L/ h installiert.
27.3.04/1.Tag
Endlich war es soweit, das leere Aquarium wurde mit 50 Litern eingefahrenem Meerwasser gefüllt. Anschließend baute ich aus 7kg lebenden Steinen (aus Bali) ein kleines Riff. Nun kamen ca. 3 kg Korallenkies rund um den Riffaufbau. Die Elektrik wurde angeschlossen, Heizung, Strömungspumpe, Filter, Abschäumer und das Licht.
Da Meerwasser und Lebendgestein schon einige Zeit beim Händler eingelaufen waren, konnten die ersten Bewohner, zwei Keniabäumchen und eine grüne Röhrenkoralle schon eingesetzt werden.
Die Keniabäumchen liegen noch schlaff am Boden, und die Röhrenkoralle sieht aus wie eine Gänsehaut. Sie müssen sich jetzt erst einmal vom Transportstreß erholen.
Für kurze Zeit sah ich einen schwarzen Schlangenseestern, ca. 5 cm groß. Ich bin gespannt, was noch so aus dem Lebendgestein heraus kommt.
28.3.04/2.Tag
Eigenartige Knallgeräusche kommen aus dem Becken. Richtig laut, sodaß man es sogar im anderen Zimmer hören konnte. Die Keniabäumchen liegen immer noch am Boden, und die “Gänsehaut” hat sich auch noch nicht verändert. Hoffentlich haben sie den Transport ohne Schaden überstanden. Die Wassertemperatur hält sich bei 25 Grad.
29.3.04/3.Tag
Nun stehen sie wie eine Eins, die Keniabäumchen, und die grünen Röhrenkorallen zeigen sich ebenfalls, wenn auch noch zaghaft
Heute entdeckte ich den Verursacher der Knallgeräusche.
Ein Fangschreckenkrebs.
Er verspeiste gerade genüsslich eine Krustenanemone. Da Fangschreckenkrebse große Räuber sind und sogar Garnelen auf ihrer Speisekarte haben, eröffnete ich die Jagd. Ich musste leider das ganze Becken leerräumen, um ihn zu fangen.
Hoffentlich ist er der einzige seiner Art; jedenfalls war es nicht so einfach, das Riff in seiner ursprünglichen Form wieder aufzubauen.
30.3.04/4.Tag
Heute sind drei Einsiedlerkrebse eingezogen. Zwei Paguristes cadenati (weinrote Einsiedler) und ein Calcinus elegans (gestreifter Einsiedler)
6.4.04/11.Tag
Bis jetzt habe ich noch keine Algen entdeckt. Einige Ohrenschnecken, die auf einmal da waren, putzen des nachts die Scheiben. Sie erledigen ihren “Job” so gründlich, das ich nichts mehr tun muß, um die Scheiben sauber zu halten.
Den schwarzen Schlangenseestern habe ich bis heute nicht wiedergesehen, schade.
Es sind aber noch neue Bewohner hinzu gekommen. Ein Stein mit Krustenanemonen (Zoantharia), ein Kometenstern (Linckia multifora) ein Röhrenwurmstein und zwei Goldseescheiden. Da Goldseescheiden ( Polycarpa aurata) und der Röhrenwurmstein (Filogranella elatensis) Futter benötigen, steht ab heute lebendes PhytoPlankton im Wechsel mit Plancto (tierischem Plankton, Algen, Hefen und Proteinen) auf der Speisekarte.
Ich hoffe, das das Wasser dies verkraftet.
10.4.04/15.Tag
Ein weiterer Besuch beim Händler bereicherte mein Miniriff um eine kleine Fingerlederkoralle, zwei Weissbandputzergarnelen (Lysmata amboinensis), drei Sexy Shrimps (Thor amboinensis) und einen Röhrenwurm (Sabellastarte magnifica)
Die Putzergarnelen haben ihre festen Plätze, jedenfalls bleibt die eine am Keniabäumchen und verläßt es bloß, wenn es Futter gibt. Die andere hat ihr Revier hinten im Riff auf einem kleinen Stein. Der Röhrenwurm zeigte sich gleich in seiner ganzen Schönheit. Die Krone hat einen Durchmesser von ca. 6cm. Nur die Fingerlederkoralle ist noch etwas schlapp. Zu meinem Entsetzen zeigen sich nun auch die ersten zwei Borstenwürmer
12.4.04/17.Tag
Eine der Garnelen hat sich gehäutet. Die Fingerlederkoralle sieht noch nicht besser aus. Meine “Sexy Shrimps Truppe” ist immer zusammen, werd mal sehen, ob ich noch zwei bekomme, sie sind wirklich allerliebst.
13.4.04/18.Tag
Zwei Sexy Shrimps habe ich beim Händler noch bekommen, sie haben sich gleich in die Gruppe integriert. Ich konnte nicht widerstehen, als ich auf dem Boden eines Schaubeckens eine kleine Weichkoralle entdeckte, die mußte auch noch mit.
Heute habe ich die Ohrenschnecke beim Laichabgeben beobachten können. Sie “stellte” sich senkrecht auf und gab mehrere Wolken ins Wasser ab.
17.4.04/22.Tag
Seit einigen Tagen habe ich einen neuen Insassen, den ich nicht kenne. Ich hoffe, bald zu wissen was es ist. Die Anemone oder Koralle hat einen orangefarbigen Fuß und gelbe Tentakel. Sie öffnet sich immer erst abends. Falls jemand einen Tip hat, würde ich mich über eine Email freuen
Heute habe ich meinen ersten Wasserwechsel gemacht. Um eine Dichte von 1023g /L zu erreichen, wurden am Tag zuvor 5L destilliertes Wasser mit 173 Gramm Meersalz (Tropic Marin) angesetzt und über Nacht mit einer Strömungspumpe im Eimer gelassen.
20.4.04/25.Tag
Seit heute gibt es in meinem Miniriff eine kleine gelbe Sandanemone (Heteractis crispa ) als Wirt für die Sexy Shrimps (Thor amboinensis). Sie wurde sofort angenommen. Der Platz scheint ihr auch zuzusagen, denn sie ist noch nicht gewandert. Sie vergräbt sich im Boden, so daß nur noch die Tentakel und die Körperöffnung zu sehen ist. Sie braucht viel Licht. Sie lebt von ihren Zooxanthellen, braucht aber auch ab und zu noch Futter.
24.4.04/29.Tag
Der unbekannte “Bewohner” scheint eine Steinkoralle zu sein, Tubastrea coccinea (Kelchkoralle) wird sie genannt. Diese Koralle lebt nicht vom Licht, sondern muß gefüttert werden. Sie bekommt alle 2 Tage klitzekleine Portionen Krill oder Artemia. Sie nimmt das Futter auch an.
Auch die Sandanemone mag Krill und Artemia, sie muß sich ganz schön beeilen mit dem Fressen, da die Sexy Shrimps ihr gerne das Futter klauen.
28.4.04/33.Tag
Ich war mal wieder bei meinem Meerwasserhändler und zwei schwarze Fingernagelschnecken (Scutus unguis) zogen nun ins Miniriff ein. Bis jetzt habe ich sie leider noch nicht wiedergesehen. Ich hoffe, das ich bald ein Foto von ihnen machen kann. Sie fressen fast ausschließlich Algen und leben in Spalten und unter Steinen.
Eine grüne Weichkoralle (Alcyonium sp.) habe ich auch noch mitgenommen. Auf dem Stein sitzt auch noch ein kleiner, blauer Schwamm.
Seit gestern hat sich das Affenhaar nicht mehr geöffnet, ich weiß nicht warum. Alle anderen Einwohner” zeigen sich in voller Schönheit.
03.05.04/38.Tag
Die grüne Weichkoralle wird wohl grüne Teufelshand oder Meerhand genannt. Bis jetzt habe ich noch keine weiteren Informationen darüber gefunden, außer das sie Plankton als Nahrung braucht. In einem Forum habe ich erfahren, das es ganz normal ist, das das Affenhaar sich ab und zu schließt, weil es sich häutet. Dieser Vorgang dauert wohl ein paar Tage.
6.5.04/41.Tag
Heute öffnete sich das Affenhaar wieder, zwar noch nicht alle Polypen, aber ein großer Teil. Eine weitere Schneckenart habe ich entdeckt, es scheinen Turboschnecken zu sein. Auf ihrem Speiseplan stehen Algen. Auch zeigte sich heute einer der schwarzen Fingernagelschnecken.
07.05.04/42.Tag
Damit in meinem Miniriff eine optimale Strömung herrscht, habe ich einen ATI Kreisel auf die Strömungspumpe gesetzt. Der Kreisel dreht sich um 360°, das ergibt eine schöne Strömung im ganzen Becken. Er wird nur aufgesteckt und arbeitet ohne Strom. Eignet sich für alle kleinen Strömungspumpen ab 300L/ h.
9.5.04/44.Tag
Heute konnte ich endlich mal ein Foto von meiner Kaisergarnele ( Lysmata debelius ) machen. Leider lebt dieses schöne Tier immer sehr versteckt und kommt nur zum Fressen zum Vorschein. Dann allerdings läßt sie sich auch mit der Pinzette füttern. Auf ihrem Speiseplan stehen Flockenfutter, Krill und Artemia
11.5.04/46.Tag
Nun kommt ein bißchen Leben ins Miniriff! Ein Pärchen Augenfleck-Mandarinfische (Synchiropus ocellatus) und eine Partnergrundel (Amblyeleotris aurora) mit ihrem Symbiosekrebs (Alpheus bellulus) haben Einzug gehalten. Die Grundel hat sich gleich eine Höhle ausgesucht, nur ihren Knallkrebs habe ich noch nicht wiedergesehen. Wahrscheinlich baut er schon an seiner Höhle.
Die Augenfleck-Mandarinfische brauchen ein gut eingefahrenes Becken, da sie sich hauptsächlich von Kleinstgetier was im Bodengrund oder auf den Steinen lebt, ernähren. Man kann sie auch wohl an Frostfutter gewöhnen. Heute gab es jedenfalls erst mal eine Portion lebende Artemia. Sie haben diese sofort verschlungen. Es sind schon putzige Gesellen. Ich habe das Gefühl, sie “laufen” mehr als das sie schwimmen. Die ganze Zeit picken sie am Bodengrund. Man kann sie als Pärchen oder als Einzeltier halten. Aber nie zwei Männchen zusammen, die würden sich bis zum Tod bekämpfen.
12.5.04/47.Tag
Der Knallkrebs scheint sich in der Nacht seine Baumaterialien schon mal zusammengesucht zuhaben. Eigentümliche Bodengrundanhäufungen und umgerückte Steine habe ich heute entdeckt. Bin mal gespannt, wo er seine Höhle baut.
14.5.04/49.Tag
Mittlerweile hat der Knallkrebs emsig weiter gebaut. Vier Eingänge habe ich schon gesichtet. Man gut, das ich das Riffgestein nicht auf dem Bodengrund aufgebaut habe, sondern direkt auf den Aquariumboden. Sonst wäre wohl schon Einiges zusammengestürzt. Ab und zu sehe ich ihn, wenn er Nachschub für seine Höhle sucht. Zur Fütterungszeit zeigt er sich auch schon mal. Die Mandarinfische haben sich gut eingelebt. Sie fressen jedenfalls auch Frostfutter. Sie sind den ganzen Tag sehr aktiv, und wandern im Riff umher.
15.5.04/50.Tag
Das Miniriff hat Geburtstag!
50 Tage läuft es nun schon. Habe noch eine kleine Kugel grün – gelbe Krustenanemonen ergattert. Beim Einsetzten gaben sie eine bräunliche Flüssigkeit ab. Außerdem fand ich noch eine kleine Lederkoralle. Es war ziemlich schwierig sie zu befestigen. Die Methode (AquaMedic-Reef Construct) sieht zwar momentan nicht gerade berauschend aus, aber sie hält.
21.5.04/56.Tag
In der kleinen Welt des Miniriffs läuft alles seinen gewohnten Gang. Jeden Morgen schrumpft die gelbe Sandanemone auf Erbsengröße zusammen, sie quetscht so das gesamte Wasser heraus, um dann Neues wieder aufzunehmen.
Der Knallkrebs scheint mit seinem Höhlenbau auch fertig zu sein, jedenfalls entdecke ich keine neuen Eingänge. Sein Knallen allerdings ist in der ganzen Wohnung zu hören. Und er knallt sehr oft!
Die Mandarinfische sind immer auf Nahrungssuche. Lebende Artemia stehen ganz oben auf ihrer Speisekarte. Aber sie sind keine begnadeten Fänger. Die Sandanemone freut sich auch über das Futter, was sich unvorsichtig auf ihr nieder läßt.
Sogar der Knallkrebs kommt und schaufelt alles was er kriegen kann, in Richtung Höhle.
24.05.04/59.Tag
Heute habe ich mal wieder die Wasserwerte gemessen. Soweit alles im Normbereich. Nur der Kalziumwert ist gesunken. Viele Korallen brauchen es für ihren Skelettaufbau und entziehen es dem Wasser in großen Mengen. Zum ersten Mal muß ich Kalzium nachgeben. Ich verwende Tropic Marin Bio Calcium. Ich habe es vorher in Aquariumwasser aufgelöst und gebe es nach und nach hinzu.
Einer meiner roten Einsiedler hat “Selbstmord” begangen. Er ist auf das Riff hochgeklettert und einfach oben außerhalb des Wassers geblieben.
27.05.04/62.Tag
Und noch ein Todesfall, beim Reinigen des Abschäumers ist die Grundel (Amblyeleotris aurora) aus dem Becken gesprungen. Leider hab ich es erst zu spät entdeckt.
29.05.04/64.Tag
Der Knallkrebs (Alpheus bellulus) fühlte sich sicher sehr einsam. Jedenfalls kam er nicht zum Vorschein. Also besorgte ich ihm eine neue Partnerin. Eine gelbe Symbiosegrundel (Cryptocentrus cintus). Es war wohl Liebe auf den ersten Blick, jedenfall fing der Krebs sofort an, die Höhle neu zu gestalten.
Alle Ausgänge wurden vergrößert. Er folgte auch gleich der Grundel, als sie das Riff inspizierte. Soweit hab ich ihn noch nicht herauskommen sehen.
Einen kleinen Stein mit gelben Krustenanemonen und einen roten Schwamm mußte ich unbedingt noch mitnehmen.
1.06.04/67.Tag
Leider hat sich der Schwamm fast aufgelöst. Einen Tag nach dem Einsetzen verlor er schon die schöne rote Farbe. Am nächsten Tag zerfiel er in winzig kleine Stücke. Ich habe erst einmal die Überreste in ein kleines Becken umgesiedelt. Er stand in der Strömung und bekam PhytoPlankton als Nahrung. Ich hoffe, das ich den Grund für sein schnelles Ende noch in Erfahrung bringe.


























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